09 May 2026, 14:31

AfD-Politiker Tillschneider stellt Befreiung vom Nationalsozialismus infrage – und löst Debatte aus

Buch mit dem Titel 'Deutsches Kolonial-Feitung', datiert auf 11/1940, mit einem Bild von Adolf Hitler auf dem Cover, umgeben von Leuten mit Mützen.

AfD-Politiker Tillschneider stellt Befreiung vom Nationalsozialismus infrage – und löst Debatte aus

Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, hat mit einer Äußerung zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus für Aufsehen gesorgt. Seine im Mai 2026 getätigten Bemerkungen stellen das seit Langem etablierte geschichtspolitische Verständnis der Nachkriegszeit infrage und fordern eine Neuausrichtung der nationalen Identität.

Tillschneider erkannte zwar die Befreiung vom NS-Regime an, kritisierte jedoch die militärische Niederlage als „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. Die vielbeachtete Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985, in der dieser den 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ bezeichnete, bezeichnete er als „geistige Kapitulation“.

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Darüber hinaus lehnte er die deutsche Nachkriegsgeschichtsschreibung ab und stufte sie als „absurde Schuldkultur“ ein, die auf einer „imaginären Kollektivschuld“ beruhe. Tillschneider argumentierte, die Deutschen hätten sich im Nachhinein mit den alliierten Siegermächten identifiziert, um sich der eigenen Verantwortung zu entziehen. Stattdessen plädierte er für eine „normale deutsche Identität“ und berief sich dabei auf den konservativen Politiker Franz Josef Strauß, der die ständige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einst als „ewige Buße“ bezeichnete.

Der AfD-Politiker warnte zudem, dass die Vision seiner Partei nicht zu einer „stolzen Zukunft“ führe, sondern Deutschland vielmehr in eine geistige Isolation zurückwerfen könnte. Seine Aussagen spiegeln die Bestrebungen der AfD in Sachsen-Anhalt wider, zentrale Säulen des historischen Gedächtnisses des Landes zu demontieren.

Tillschneiders Äußerungen fügen sich in die anhaltenden Bemühungen der AfD ein, die deutsche Geschichtserzählung umzudeuten. Durch die Ablehnung etablierter Deutungen der Nachkriegszeit treibt die Partei die Neudefinition der nationalen Identität voran. Die Kontroverse lenkt den Blick auf die politische Debatte darüber, wie Deutschland an seine Vergangenheit erinnert.

Quelle