Angélica Liddells radikale Performance Seppuku feiert rauschhafte Premiere in Wien
Nurten HarloffAngélica Liddells radikale Performance Seppuku feiert rauschhafte Premiere in Wien
Angélica Liddells neue Performance Seppuku: Mishimas Beerdigung oder die Lust am Sterben hatte Premiere bei den Wiener Festwochen. Das diesjährige Leitmotiv des Festivals lautet Republik der Götter, wobei eine kuratierte Dramaturgie die verschiedenen Produktionen verbindet.
Die zweistündige Aufführung kreist um Yukio Mishima, den japanischen Schriftsteller, der durch die Inszenierung und Begehung von Seppuku – dem rituellen Selbstmord – bekannt wurde. Liddell setzt diese Zeremonie in Szene und verbindet dabei das japanische Nō-Theater mit westlicher Performance-Kunst. Während der Vorstellung mischen sie und eine weitere Darstellerin ihr eigenes Blut und spritzen es auf eine Leinwand.
Das Werk thematisiert zudem das Leben und Sterben fremder Menschen. Liddell betritt die Bühne in Kleidungsstücken Verstorbener. Ekstatische Momente, schwarzer Humor und Szenen der Selbstbefriedigung mit rohem Fleisch durchziehen die Performance. Manche Passagen wirken in die Länge gezogen, was der Inszenierung mitunter eine gewisse Schwere verleiht.
Inspiriert wurde Liddell von einer persönlichen Erfahrung: Sie war einst Zeugin, wie sich eine Frau in Madrid in den Tod stürzte – ein Erlebnis, das die Entstehung dieses Stücks prägte.
Die Performance ist nun Teil des Programms der Wiener Festwochen und trägt mit ihrer Auseinandersetzung mit Sterblichkeit und Ritual zum übergeordneten Festivalthema bei. Die intensive Bildsprache und die radikalen Themen hinterlassen beim Publikum einen nachhaltigen Eindruck.






