14 March 2026, 12:31

Bürgerprotest gegen hohe Rentenreform-Gebühren: Warum 1,5 Prozent zu viel sind

Ein Plakat an einer Wand mit der Aufschrift "Resettlement Administration: Fields are Robbed of Fertility by Misuse", umgeben von einem Haus, Bäumen und Wasser.

Günstigere Rente gefordert: Über 100.000 Menschen unterschreiben Petition - Bürgerprotest gegen hohe Rentenreform-Gebühren: Warum 1,5 Prozent zu viel sind

Neuer Vorstoß für niedrigere Gebühren: Bürger fordern schärfere Obergrenzen bei staatlicher Rentenreform

Eine aktuelle Initiative für geringere Kosten im geplanten staatlich geförderten Altersvorsorgemodell Deutschlands stößt auf breite öffentliche Unterstützung. Mehr als 100.000 Menschen haben eine Petition der Verbraucherorganisation Finanztip unterzeichnet, die strengere Limits für Gebühren fordert. Die Kampagne kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung das umstrittene Riester-Rente-System durch ein reformiertes Sparmodell ersetzen will.

Der aktuelle Gesetzentwurf sieht vor, die jährlichen Gebühren auf 1,5 Prozent zu begrenzen. Kritiker halten dies jedoch für zu hoch – mit Verweis auf Studien, die zeigen, dass selbst geringe Kostendifferenzen die Altersersparnis über Jahrzehnte deutlich schmälern können.

Eine Umfrage von Finanztip ergab, dass 78 Prozent der potenziellen Nutzer niedrige Gebühren als entscheidendes Kriterium für die Teilnahme am neuen System ansehen. Während 28 Prozent eine maximale jährliche Belastung von 1 Prozent akzeptieren würden, halten nur 23 Prozent die vorgeschlagene Obergrenze von 1,5 Prozent für angemessen. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Plattform, übt offene Kritik am Regierungsentwurf und bezeichnet das Gebührenlimit als überzogen.

Eine Beispielrechnung von Finanztip veranschaulicht die langfristigen Folgen: Bei einer jährlichen Gebühr von 0,5 Prozent könnte ein Sparer über 40 Jahre hinweg 338.000 Euro ansparen – bei 1,5 Prozent wären es dagegen nur 263.000 Euro. Die Organisation fordert daher eine Deckelung bei 0,5 Prozent und warnt, dass höhere Kosten die Rendite von Millionen zukünftiger Rentner aushöhlen würden.

Die Reform soll die Schwächen der Riester-Rente beheben, deren Verträge seit 2007 von 16,7 Millionen auf weniger als 15 Millionen gesunken sind. Viele Sparer stiegen aus, nachdem bekannt wurde, dass zwei Drittel der Produkte nicht einmal 2 Prozent Rendite erbrachten. Hohe Abschlusskosten – bei denen Anbieter bis zu 45 Prozent der Einzahlungen einbehielten – und niedrige garantierte Auszahlungen führten dazu, dass einige Versicherte älter als 95 werden müssten, um nur die eingezahlten Beiträge zurückzuerhalten.

Das neue Modell sieht ein Standardprodukt mit der 1,5-Prozent-Gebührenobergrenze, höhere Grundzuschüsse, bessere Anlageoptionen und einen einfacheren Anbieterwechsel vor. Angesichts der wachsenden öffentlichen Unterstützung für strengere Kostenkontrollen wächst jedoch der Druck auf die Politik, die Gebührenstruktur vor der finalen Verabschiedung des Gesetzes noch einmal zu überarbeiten.

Viele potenzielle Nutzer unterschätzen nach wie vor, wie sich Gebühren über Jahrzehnte summieren. Finanztip warnt, dass das neue System ohne schärfere Limits Gefahr läuft, dieselben Fehler zu wiederholen, die bereits die Akzeptanz und Wirksamkeit der Riester-Rente untergruben.

Der Erfolg der Petition zeigt, wie groß die Sorge der deutschen Sparer über Altersvorsorgegebühren ist. Bleibt die 1,5-Prozent-Grenze bestehen, könnten die endgültigen Ersparnisse von Millionen um zehntausende Euro niedriger ausfallen als bei einer strengen 0,5-Prozent-Obergrenze. Die Regierung steht nun vor der Entscheidung, die Reform anzupassen – oder einen Kurs beizubehalten, den Verbraucherschützer als einseitige Bevorteilung der Anbieter auf Kosten der Rentner kritisieren.

Quelle