10 May 2026, 20:26

Der große Flaggenstreit von 1926 spaltete die Weimarer Republik bis in den Alltag

Deutsche Flagge über Text auf einem Plakat angezeigt.

Der große Flaggenstreit von 1926 spaltete die Weimarer Republik bis in den Alltag

Ein erbitterter Streit um die Nationalfarben Deutschlands eskalierte 1926. Der Konflikt, der in den politischen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg wurzelte, spaltete die Nation in Anhänger der schwarz-rot-goldenen Flagge der Weimarer Republik und Befürworter der alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot. Die Spannungen griffen sogar auf den Alltag über – es kam zu Auseinandersetzungen um Symbole wie Schulmützenbänder oder Strandflaggen.

Die Ursprünge des Flaggenstreits reichen bis in die Jahre 1918–19 zurück, als linke Gruppen wie die Spartakisten und die KPD Rot als Nationalfarbe durchsetzen wollten. Konservative Kräfte unterstützten zunächst Schwarz-Rot-Gold, wandten sich dann aber den kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot zu. Bis zur Präsidentschaftswahl 1925 hatten sich zwei Lager verfestigt: der „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und der „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“. Paul von Hindenburg gewann zwar die Wahl, doch die Flaggenfrage blieb ungelöst.

Im März 1926 forderte die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) die Rückkehr zu den kaiserlichen Farben. Der parteilose Reichskanzler Hans Luther, unter Druck geraten, schlug einen Kompromiss vor. Hindenburg, der die Spannungen entschärfen wollte, veröffentlichte einen offenen Brief, in dem er eine verfassungskonforme Lösung anmahnte. Doch das Drängen der Rechten auf Veränderung war kalkuliert – es sollte die Linke und die Mitte zwingen, sich geschlossener hinter Schwarz-Rot-Gold zu stellen.

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Am 5. Mai 1926 unterzeichnete Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung. Das Dekret schrieb vor, dass deutsche diplomatische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalflagge (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot mit kaiserlichen Farben im Oberliek) hissen mussten. Die Verordnung erfüllte jedoch nicht die vollen Forderungen der Rechten, sodass Luther von beiden Seiten Kritik einstecken musste.

Der Flaggenstreit offenbarten die tiefen politischen Gräben in der Weimarer Republik. Alltägliche Vorfälle – von Schulhofschlägereien bis zu Pfarrern, die kaiserliche Flaggen hissten – zeigten, wie sehr Symbole die Gemüter erhitzten. Zwar bot die Verordnung eine Teillösung, doch der Konflikt um die nationale Identität schwelte weiter.

Quelle