Deutsche Industrie im Aufbruch: Warum von Deindustrialisierung keine Rede sein kann
Nurten HarloffDeutsche Industrie im Aufbruch: Warum von Deindustrialisierung keine Rede sein kann
Die deutsche Industrie im Wandel – doch von Deindustrialisierung keine Spur
Drei große Studien des ifo Instituts, des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der Bertelsmann Stiftung zeigen: Die deutsche Industrie passt sich an, statt zu schrumpfen. Experten verweisen auf eine Verschiebung hin zu wachstumsstarken Produkten – selbst in schwierigen Branchen wie Metall und Chemie.
Drei Viertel der deutschen Industrieproduktion entfallen mittlerweile auf Sektoren, deren Nachfrage in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Die Pharmaindustrie etwa verzeichnete 2025 ein Produktionsplus von 4,5 Prozent und einen Umsatzanstieg von 5,5 Prozent – trotz konjunktureller Abschwächung. Die USA sind mit rund einem Viertel der Exporte der wichtigste Absatzmarkt, während über 60 Prozent der Erlöse aus dem Ausland stammen.
Auch die Halbleiterbranche bleibt robust: 2023 erzielte sie Umsätze von 12 Milliarden Euro, und bis 2027 wird ein jährliches Wachstum von über sechs Prozent erwartet. Die Elektronikexporte halten sich stabil, getrieben von globalen Investitionen und den Handelskonflikten zwischen den USA und China.
Doch es gibt weiterhin Herausforderungen – vor allem in der Automobilindustrie. Die deutschen Pkw-Exporte nach China haben sich in den letzten Jahren halbiert, ein Zeichen für die anhaltenden Schwierigkeiten. Oliver Falck vom ifo Institut räumt zwar strukturelle Veränderungen ein, betont aber, dass wachstumsorientierte Produkte in den Industrieportfolios zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Forscher fordern nun eine Politik, die Innovation fördert, statt veraltete Strukturen zu schützen. Ein vorgeschlagenes Modell sieht vor, Produkte in Deutschland zu entwickeln, die Produktion aber ins Ausland zu verlagern – unterstützt durch bessere Kapitalmärkte, Steueranreize und regulative Rahmenbedingungen.
Die Studien belegen: Die deutsche Industrie schrumpft nicht, sie verändert sich. Selbst in traditionellen Branchen entstehen wachstumsstarke Segmente, auch wenn die Automobilindustrie weiterhin mit Problemen kämpft. Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Unternehmen helfen, sich anzupassen – statt den Wandel zu bremsen.






