EU-Gipfel: Selenskyj wirbt für Ukraine – Merz schlägt assoziierte Mitgliedschaft vor
Vadim BlochEU-Gipfel: Selenskyj wirbt für Ukraine – Merz schlägt assoziierte Mitgliedschaft vor
EU-Staats- und Regierungschefs trafen sich zu einem Gipfel, bei dem die Ukraine erneut im Mittelpunkt stand. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nahm persönlich teil, um zur aktuellen Lage zu sprechen. Auf der Agenda standen zudem Handelspolitik, die Erweiterungspläne der Union sowie die finanzielle Zukunft des Blocks.
Der Konflikt in der Ukraine prägte weite Teile der Beratungen. Bundeskanzler Friedrich Merz wies darauf hin, dass sich die Frontverläufe in den vergangenen Wochen zugunsten der Ukraine verschoben hätten. Zudem schlug er eine „assoziierte Mitgliedschaft“ für die Ukraine vor, die tiefere politische Bindungen vor einem vollwertigen EU-Beitritt ermöglichen soll. Die Staats- und Regierungschefs betonten erneut, dass die EU in künftigen Gesprächen mit Russland fest an der Seite der Ukraine stehe und keine neutrale Vermittlerin sei.
Im Bereich Handel erhielt die Europäische Kommission zwei klare Aufträge: Sie soll die Interessen der EU in Verhandlungen entschlossen vertreten und die Handelsverteidigungsinstrumente verschärfen. Zudem einigten sich die Leader darauf, den Block besser vor marktverzerrenden Praktiken anderer Wirtschaftsräume zu schützen.
Ein weiteres zentrales Thema war die Erweiterungspolitik. Der Europäische Rat wird im Oktober eine vertiefte Debatte führen, mit besonderem Fokus auf den Westbalkan. Die Kommission soll vor jedem Gipfel Fortschrittsberichte vorlegen, um die Umsetzung von Reformen zu überwachen.
Bei den finanziellen Fragen zeigten sich weiterhin Gräben. Deutschland und andere Nettozahler lehnen gemeinsame EU-Schulden weiterhin ab. Merz wies zudem den aktuellen Vorschlag der Kommission für den mehrjährigen Finanzrahmen zurück.
Der Gipfel unterstrich die anhaltende Unterstützung der EU für die Ukraine sowie ihr Bestreben nach stärkerem Handelsschutz. Die Weichen für künftige Erweiterungsgespräche wurden gestellt, mit besonderem Augenmerk auf den Westbalkan. Die finanziellen Streitpunkte bleiben jedoch weiterhin ungelöst.






