Expertenkommission schlägt radikale Gesundheitsreformen gegen Milliardenloch vor
Ivanka BlümelExpertenkommission schlägt radikale Gesundheitsreformen gegen Milliardenloch vor
Eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission hat weitreichende Reformen im Gesundheitswesen vorgeschlagen, um die wachsende Haushaltskrise zu bewältigen. Der Plan zielt darauf ab, die Ausgaben um Milliarden zu kürzen, stößt jedoch auf Widerstand innerhalb der Regierungskoalition und bei Oppositionsführern.
Zu den Empfehlungen gehören höhere Steuern auf Tabak und zuckerhaltige Getränke, strengere Regeln für Operationen sowie erhöhte Beiträge von Patienten und Arbeitgebern. Die Kommission warnt vor einem Fehlbetrag von 15 Milliarden Euro bis 2027, der bis 2030 auf über 40 Milliarden Euro anwachsen könnte. Um dies zu begegnen, schlägt sie eine Kombination aus Ausgabenkürzungen und Einnahmenerhöhungen vor. Bei vollständiger Umsetzung könnten die Maßnahmen bereits im nächsten Jahr 42 Milliarden Euro einsparen und bis zum Ende des Jahrzehnts bis zu 64 Milliarden Euro.
Patienten müssten durch höhere Zuzahlungen mehr bezahlen und so rund 4 Milliarden Euro an Einsparungen beitragen. Ärzte, Krankenhäuser und Pharmahersteller würden weitere 19 Milliarden Euro übernehmen. Der Plan sieht zudem vor, 12 Milliarden Euro an Versicherungsbeiträgen für Grundsicherungsempfänger aus Bundessteuermitteln zu decken.
Um unnötige Eingriffe zu reduzieren, soll vor planbaren Knieoperationen eine verpflichtende Zweitmeinung eingeholt werden. Die Steuern auf Tabak und Branntwein würden schrittweise steigen, während eine neue Zuckersteuer von 32 Cent zuckerhaltige Getränke belasten soll. Versicherte und Arbeitgeber müssten jedoch höhere Kosten tragen – im nächsten Jahr zusätzlich 260 Euro, bis 2030 sogar bis zu 680 Euro.
Gesundheitsministerin Nina Warken wird die Vorschläge nun prüfen und innerhalb der Koalition nach einem Kompromiss suchen. Doch bereits jetzt regt sich Widerstand: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sowie Flügel innerhalb der Regierungspartei und der SPD äußern Kritik.
Die Reformen sollen das Gesundheitssystem durch die Bekämpfung von Verschwendung und die Erhöhung der Einnahmen stabilisieren. Ihr Erfolg hängt jedoch von politischer Einigung und öffentlicher Akzeptanz ab. Die Regierung muss nun entscheiden, welche Maßnahmen sie übernimmt, bevor ein finales Paket vorgelegt wird.






