07 May 2026, 12:36

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte: Wie die DDR das Erbe tilgte

Rechteckige Plakette an einer Steinwand mit der Inschrift "Adolf Abraham".

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte: Wie die DDR das Erbe tilgte

Ein neues Buch von Philipp Graf untersucht die getilgte jüdische Geschichte Halberstadts während der DDR-Zeit. „Verweigerte Erinnerung“ widerspricht der Behauptung, die DDR habe kein jüdisches Kulturerbe besessen – trotz der Beiträge von Künstlern wie Lin Jaldati und Jurek Becker. Die Arbeit zeigt auch auf, wie die einst blühende jüdische Gemeinde der Stadt zwischen 1938 und 1942 systematisch zerstört wurde.

Halberstadt war einst ein zentraler Ort des neo-orthodoxen Judentums. Doch bis 1942 war seine jüdische Bevölkerung ausgelöscht. Die Vernichtung begann 1938 mit der Zerstörung der Synagoge, wie der Pfarrer der Liebfrauenkirche, Martin Gabriel, später festhielt. Nach dem Krieg wurden jüdische Geschäfte und Betriebe von Nicht-Juden übernommen, sodass kaum noch Spuren der Gemeinde blieben. Willy Calm, der letzte bekannte Jude Halberstadts, starb 1961 und wurde auf dem jüdischen Friedhof an der Quenstedter Straße beigesetzt.

1949 entstand am ehemaligen Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt eine Gedenkstätte für die Opfer der NS-Zwangsarbeit. Doch bis 1969 wurde der Ort im Sinne der DDR-Propaganda umgestaltet – zu einer Stätte sozialistischer Erziehung. Gleichzeitig nutzte man die unterirdischen Stollen des Lagers in den 1970er-Jahren als militärisches Depot für die Nationalen Volksarmee.

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Jahrzehnte später entfachte der Verkauf der Rathauspassagen 2018 erneut Debatten über Halberstadts verlorene jüdische Vergangenheit. Graf argumentiert, dass die antifaschistische Politik der DDR das jüdische Erbe der Stadt weder anerkannte noch bewahrte.

Grafs Forschung bringt eine Geschichte ans Licht, die bewusst ignoriert wurde. Das Buch offenbart, wie Halberstadts jüdisches Erbe zunächst durch die NS-Verfolgung und später durch die DDR-Politik getilgt wurde. Noch heute bleibt die Vergangenheit der Stadt ein Thema intensiver Auseinandersetzung – besonders, da sich jüngere Generationen mit den vergessenen Geschichten konfrontieren.

Quelle