Neue Bühne Senftenberg feiert Comeback trotz Intendanten-Streit und DDR-Nostalgie
Nurten HarloffNeue Bühne Senftenberg feiert Comeback trotz Intendanten-Streit und DDR-Nostalgie
Die Neue Bühne Senftenberg hat wieder an regionaler Bedeutung gewonnen – ähnlich wie in ihren Glanzzeiten der DDR. Diese Rückkehr in den Fokus folgt auf eine Phase der Kontroversen nach der überraschenden Nichtverlängerung des Vertrages von Intendant Daniel Ris im März 2023. Trotz der Turbulenzen veranstaltete das Theater kürzlich eine lebendige Eröffnung, die Debatten auslöste und lokale Talente präsentierte.
Ris leitete die Neue Bühne Senftenberg fünf Jahre lang – sein Vertrag hätte eigentlich bis 2027 gelaufen. Seine Abberufung kam unerwartet und ohne klare Begründung. Manche vermuten, sie könnte mit seiner deutlichen Haltung gegen rechtsextreme Gruppen oder seinem unangepassten Wesen zusammenhängen. Andere verweisen auf vage Vorwürfe wie Führungsversagen und angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten, darunter Schadensersatzforderungen in Höhe von 250.000 Euro.
Trotz der Ungewissheit hinterlässt Ris eine Erfolgsbilanz: Unter seiner Leitung steigerte das Theater seine Eigenmittel und zog mehr Zuschauer an. Seine innovativen Saisoneröffnungen an historischen Orten wurden zum Markenzeichen und belebten das Interesse am Haus neu.
Die jüngste Eröffnung in der Niederlausitz-Halle spiegelte diese Dynamik wider. Der Abend begann mit einer pointierten Debatte über die DDR-Sportkultur, die Nostalgie mit Satire verband. Die Texte des polnischen Regisseurs Kajetan Skurski weckten zunächst wehmütige Erinnerungen an die DDR, mündeten dann aber in spöttische Anspielungen auf militaristische Trainingsmethoden und Doping-Skandale. Der zweite Teil wurde feierlicher: Mit Blasmusik, Chor, einer Sportgruppe und einem Auftritt der Spitzenathletin Michaela sorgte das Programm für Stimmung.
Ein Höhepunkt war der Soloauftritt der Schauspielerin Catharina Struwe – der emotional packendste Moment des Abends. Die Show mit acht Künstlern fesselte das Publikum und lotete dabei regionale Identitätsfragen aus.
Ris, obwohl verärgert über seine faktische Entlassung, blickt nach vorn: Er bereitet seine vierte und letzte Spielzeit am Theater vor und hat zugleich sein erstes Vorstellungsgespräch für eine neue Position.
Betrieblich läuft die Neue Bühne Senftenberg weiter, ohne dass Stadt oder Landkreis strukturelle Änderungen ankündigten. Reformen, um künstlerische Leitung und kaufmännische Führung zu trennen, sind nicht in Sicht. Doch das jüngste Event hat die kulturelle Relevanz des Theaters unterstrichen – als Ort, der Aufmerksamkeit erregt und Diskussionen anregt.