50. Klagenfurter Literatur-Tage: Mutige Texte und eine historische Jury-Entscheidung
Ivanka Blümel50. Klagenfurter Literatur-Tage: Mutige Texte und eine historische Jury-Entscheidung
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt: Mutige Statements und bemerkenswerte Preisträger
Bei den 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt gab es kühne Aussagen und herausragende Preisträger. Wirtschaftliche Themen und Prekariat prägten viele Diskussionen, wobei einige Texte für ihre Darstellung der Arbeiterklasse gelobt wurden. Die Veranstaltung markierte zudem einen historischen Moment für die Jury des Bachmann-Preises.
In diesem Jahr bestand die Bachmann-Preis-Jury erstmals ausschließlich aus Frauen. Nora-Eugenie Gomringer (Anm.: Schaette ist das Pseudonym der Autorin) gewann sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis als auch den Publikumspreis für ihren Text „Was wir tragen“. Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für „Vater ohne Sohn“.
Magdalena Schrefel wurde mit dem kleinsten 3sat-Preis für „Kirschen, Herz in der Schlinge“ ausgezeichnet – eine persönliche Auseinandersetzung mit ihrer Brustkrebsdiagnose. Kinga Tóth erhielt den KELAG-Preis für ihre Schilderung eines „Ostblock-Mädchens“ und der täglichen Demütigungen, die sie erlebt. Zudem wurde während der Veranstaltung auf Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ – in dem Gott vor Gericht steht – hingewiesen.
Für Diskussionen sorgte die Lesung von Slata Roschal. Ihr Text kritisierte die Literaturbetriebe wegen ihrer schlecht bezahlten Stipendien und minimalen Gewinne. Zwar thematisierte ihre Geschichte Prekariat, doch lag der Fokus stärker auf der Literaturszene selbst. Nach ihrem Auftritt kündigte sie an, die Bühne sofort zu verlassen und sich nicht der Jury zu stellen.
Das Festival rückte wirtschaftliche Kämpfe in der Literatur in den Mittelpunkt. Mehrere Autor:innen setzten sich mit Klassenunterschieden und Entbehrungen auseinander und erhielten Anerkennung für ihre schonungslosen Darstellungen. Die rein weibliche Jury und die vielfältigen Werke der Preisträger:innen machten diese Ausgabe der Veranstaltung zu einer besonderen.
