BP beschleunigt radikale Umstrukturierung trotz Rekord-Ölpreisen und Arbeitskämpfen
Romuald SchweitzerBP beschleunigt radikale Umstrukturierung trotz Rekord-Ölpreisen und Arbeitskämpfen
BP treibt Umstrukturierung voran – trotz steigender Ölpreise und wachsendem Marktdruck
BP beschleunigt seine weitreichende Umstrukturierung, während die Ölpreise steigen und die Marktbelastungen zunehmen. Die Aktie des Konzerns hat seit Januar um über 27 Prozent zugelegt und schloss am Freitag bei 6,45 Euro – trotz eines leichten Rückgangs an diesem Tag. Dennoch ist der Börsenwert des Unternehmens im vergangenen Jahr um 15 Prozent gesunken, was die größeren Herausforderungen im Energiesektor widerspiegelt.
Das Unternehmen verschärft nun seine Sparmaßnahmen und strebt bis 2027 Einsparungen in Höhe von 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar an. Damit soll die Liquidität gestärkt und die finanzielle Stabilität gesichert werden. Gleichzeitig treibt BP sein Desinvestitionsprogramm im Umfang von 20 Milliarden US-Dollar bis 2027 voran – mehr als die Hälfte dieser Summe ist bereits gesichert.
Ein zentraler Deal umfasst den Verkauf der Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group. Die Anlage, die jährlich 12 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet, beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiter, die mit dem Verkauf übergehen sollen. Analysten der HSBC reagierten mit einer Hochstufung der BP-Bewertung von "Reduce" auf "Hold" und hoben das Kursziel an. Als Begründung nannten sie die mögliche Entlastung von bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten, die mit der Raffinerie verbunden sind.
Doch BP kämpft weiterhin mit operativen Rückschlägen. Rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte der Whiting-Raffinerie in Indiana sind nach gescheiterten Tarifverhandlungen weiterhin ausgesperrt. Gleichzeitig geraten die globalen Ölmärkte unter Druck: Die Preise für Brent-Rohöl nähern sich aufgrund von Blockaden in der Straße von Hormus der Marke von 112 US-Dollar pro Barrel. Die US-Regierung hat eine 60-tägige Ausnahme vom Jones Act erlassen, um Lieferkettenengpässe zu mildern.
Die Marktkapitalisierung des Konzerns ist von etwa 80 Milliarden Pfund im März 2025 auf rund 68 Milliarden Pfund ein Jahr später gesunken. Fallende Ölpreise, Konkurrenz durch erneuerbare Energien und Sorgen der Anleger über verzögerte Pläne zur Energiewende haben die Performance belastet.
BPs Umstrukturierungsbemühungen erfolgen in einer Phase steigender Ölpreise, operativer Konflikte und sich wandelnder Energiemärkte. Die Desinvestitionen und Kostensenkungen sollen die langfristige Stabilität sichern – doch das Unternehmen muss auch die anhaltenden Arbeitskämpfe und die allgemeine Volatilität des Sektors bewältigen. Die nächsten Monate werden zeigen, wie die Anleger auf diese Veränderungen reagieren.






