EMAF-Festival in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin und BDS-Debatte
Nurten HarloffEMAF-Festival in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin und BDS-Debatte
Kritik am Europäischen Medienkunstfestival in Osnabrück wegen umstrittenem Film einer palästinensischen Künstlerin
Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück steht in der Kritik, weil es einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Larissa Sansour, die unter dem Künstlernamen Al-Sharif bekannt ist, in sein Programm aufgenommen hat. Ihre Person und ihr Werk sind umstritten, da ihr vorgeworfen wird, antisemitische Positionen zu vertreten und die BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) zu unterstützen. Infolge der Kontroverse haben zentrale Persönlichkeiten – darunter der niedersächsische Ministerpräsident – ihre Unterstützung für das Festival zurückgezogen.
Im Mittelpunkt des Streits stehen nicht Al-Sharifs künstlerische Arbeiten selbst, sondern ihre politischen Äußerungen in sozialen Medien. Trotz der Kritik wird ihr Kurzfilm "Morning Circle" wie geplant im Rahmen des Festivals gezeigt. Das diesjährige Motto "An Incomplete Assembly" (Eine unvollendete Versammlung) thematisiert künstlerische Freiheit und Verantwortung – Themen, die nun im Zentrum der Debatte stehen.
Olaf Lies, Ministerpräsident von Niedersachsen, zog aus Protest seine Schirmherrschaft über das Festival 2023 zurück. Die Stadt Osnabrück distanzierte sich zwar von der Entscheidung des EMAF, bestätigte jedoch, dass die finanzielle Förderung der Veranstaltung unverändert bleibe. Der Kulturdezernent der Stadt, Wolfgang Beckermann, gab zu, dass er es bevorzugt hätte, wenn das Festival auf Al-Sharifs Beitrag verzichtet hätte.
Die von Al-Sharif unterstützte BDS-Bewegung wurde 2005 als gewaltfreie Kampagne ins Leben gerufen, die Israel auffordert, internationales Recht in Bezug auf besetzte Gebiete, Gleichberechtigung und Flüchtlingsrechte einzuhalten. Während die Bewegung weltweit an Einfluss gewonnen hat – etwa durch die Unterstützung der Studierendenschaft der Hertie School in Berlin im Jahr 2023 –, sieht sie sich auch Vorwürfen des Antisemitismus und rechtlichen Einschränkungen ausgesetzt. Seit 2019 haben über 30 US-Bundesstaaten, französische Kommunen und deutsche Beschlüsse Maßnahmen gegen die Bewegung ergriffen, mit Verweis auf Bedenken hinsichtlich ihrer Methoden und Ziele.
Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, argumentierte, dass das Unterdrücken palästinensischer Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung kaum zum Frieden im Nahen Osten beitrage. Das EMAF seinerseits hat in der Vergangenheit bereits mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet, aber auch jüdische und israelische Perspektiven in sein Programm einbezogen.
Das Festival wird Al-Sharifs Film wie geplant zeigen – trotz der politischen Verwerfungen. Die Osnabrücker Stadtverwaltung hält zwar an der finanziellen Förderung des EMAF fest, macht aber deutlich, dass sie die Aufnahme des Werks ablehnt. Die Kontroverse verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischem Ausdruck, politischem Aktivismus und öffentlicher Förderung.






