Merz' Rückkehraussage für Syrer trifft auf scharfe Kritik der Wirtschaftsexperten
Romuald SchweitzerMerz' Rückkehraussage für Syrer trifft auf scharfe Kritik der Wirtschaftsexperten
Bundeskanzler Friedrich Merz' Prognose, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren werden, stößt bei Wirtschaftsexperten auf Skepsis. Neue Studien deuten darauf hin, dass ein derartiger massenhafter Abwanderungsprozess die deutsche Arbeitskraft schwächen und die wirtschaftliche Stabilität gefährden könnte.
Laut offiziellen Zahlen lebten 2024 rund 936.000 syrische Staatsbürger in Deutschland, davon hatten über 700.000 vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat geflohen. Aktuellere Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl bis Anfang 2026 auf über 900.000 steigen wird.
Führende Wirtschaftsinstitute zweifeln an der Realisierbarkeit von Merz' Aussage. Geraldine Dany-Knedlik vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte, dass selbst eine beträchtliche Rückwanderung syrischer Geflüchteter die demografischen Herausforderungen verschärfen würde. Sie verwies auf das bereits jetzt stagnierende Wachstumspotenzial Deutschlands, das auf Zuwanderung angewiesen ist, um die Alterung der Bevölkerung auszugleichen.
Timo Wollmershäuser vom ifo Institut betonte, dass die jüngste Einwanderung dazu beigetragen habe, einige dieser demografischen Probleme hinauszuzögern. Ein massiver Weggang syrischer Erwerbstätiger, so seine Argumentation, würde die Arbeitskräfte schrumpfen lassen und die Produktionskapazitäten verringern. Viele Syrer seien bereits in den Arbeitsmarkt integriert – ihr Fortgang könnte spürbare Lücken in Schlüsselbranchen hinterlassen.
Die Debatte entzündet sich vor dem Hintergrund, dass Deutschland weiterhin auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen ist, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Mit fast einer Million Syrerinnen und Syrern, die inzwischen in die Wirtschaft eingebunden sind, würde ihr plötzlicher Wegfall voraussichtlich ganze Industriezweige und Dienstleistungsbereiche destabilisieren, die auf ihre Beiträge angewiesen sind.
Die wirtschaftlichen Warnungen unterstreichen die Risiken eines raschen Rückgangs der syrischen Migrantengruppe. Ein Verlust in diesem Ausmaß würde nicht nur Unternehmen treffen, sondern auch die bestehenden demografischen Spannungen verschärfen. Experten betonen, dass jede Politik, die groß angelegte Rückführungen fördert, diese wirtschaftlichen Realitäten sorgfältig abwägen müsse.






