12 April 2026, 00:37

Saisonarbeiter in Deutschland: Ausgebeutet, überarbeitet und ohne Schutz

Plakat mit zwei Personen vor einem Berg- und Baumhintergrund mit dem Text "Was unser Freihandel bedeutet - Britischer Granitarbeiter - Die faire Lohnklausel ist in Ordnung, aber ich will Arbeit."

Saisonarbeiter in Deutschland: Ausgebeutet, überarbeitet und ohne Schutz

Saisonarbeiter in Deutschland leiden unter verschärften Bedingungen – extreme Arbeitszeiten, Lohnbetrug und menschenunwürdige Unterkünfte

In der deutschen Landwirtschaft verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen für Saisonkräfte zusehends. Berichte über überlange Arbeitszeiten, illegale Lohnabzüge und heruntergekommene Unterkünfte häufen sich. Trotz wachsender Kritik sind Kontrollen drastisch zurückgegangen – viele Arbeiter bleiben schutzlos zurück.

2023 waren rund 243.000 Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt. Doch ihre genaue Zahl und Herkunft bleiben oft im Dunkeln. Viele von ihnen schuften unter extremen Bedingungen, einige bis zu 70 Stunden pro Woche.

Bei Untersuchungen auf 36 Betrieben fanden Ermittler Arbeiter, die in überfüllten Frachtcontainern hausten. Eine nur 15 Quadratmeter große Unterkunft in Hessen wurde für über 2.000 Euro monatlich vermietet. Zudem kam es zu Lohnbetrug: Auf einem Hof wurden Beschäftigten fast 1.000 Euro vorenthalten.

Die Bundesregierung verlängerte kürzlich die sozialabgabenfreien Kurzzeitverträge von 70 auf 90 Tage pro Jahr – eine Regelung, die Arbeiter grundlegender Absicherung beraubt. Gleichzeitig forderte der Deutsche Bauernverband eine 20-prozentige Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonkräfte.

Ab 2025 verlangen einige Betriebe von ihren Arbeitern, 14 Kilogramm Spargel pro Stunde zu ernten. Solche Vorgaben treiben die Arbeiter an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Doch die Aufsicht wird immer lascher: 2024 fanden nur noch 274 Betriebsprüfungen statt – ein Rückgang um 80 Prozent seit 2020.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU könnte eingreifen, indem sie Subventionen für Höfe streicht, die gegen Arbeitsrecht verstoßen. Bisher bleibt systematische Ausbeutung jedoch weitgehend ungestraft.

Überstunden, illegale Abzüge und unzumutbare Wohnverhältnisse prägen für viele Saisonarbeiter den Alltag. Mit weniger Kontrollen und schwächeren Schutzmechanismen ist kaum Besserung in Sicht. Die EU-Subventionsregeln bieten zwar einen möglichen Hebel – doch ob sie konsequent durchgesetzt werden, bleibt fraglich.

Quelle