09 May 2026, 07:03

Wadephuls EU-Reform: Mehr Tempo, weniger Veto – doch wer verliert an Macht?

Alte Europa-Karte aus dem frühen 20. Jahrhundert, die das Ausmaß der Europäischen Union zeigt, mit handgeschriebener Text auf dem Papier.

Wadephuls EU-Reform: Mehr Tempo, weniger Veto – doch wer verliert an Macht?

Bundesaußenminister Johann Wadephul legt Reformplan für die EU vor

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hat einen neuen Plan zur Reform der Europäischen Union vorgelegt. Das Vorhaben zielt darauf ab, den Block flexibler und handlungsfähiger zu machen – insbesondere bei außenpolitischen Entscheidungen. Der Vorschlag kommt zu einer Zeit, in der die EU vor wachsenden Herausforderungen steht, von Sicherheitsfragen bis hin zu internen Streitigkeiten über die Verteilung von Entscheidungsbefugnissen.

Kern des Plans ist es, in bestimmten Fällen das Vetorecht einzelner Mitgliedstaaten zu umgehen. Wadephul fordert zwar nicht die vollständige Abschaffung des Vetos, schlägt aber Mechanismen vor, die es ermöglichen, es bei Bedarf zu überbrücken. Damit soll die Entscheidungsfindung beschleunigt werden, vor allem in dringenden außenpolitischen Angelegenheiten.

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Ein weiterer zentraler Punkt der Initiative ist die Bildung sogenannter „Koalitionen der Willigen“ – Gruppen von Mitgliedstaaten, die Vorhaben vorantreiben könnten, selbst wenn andere Länder dagegen stimmen. Berlin erhofft sich davon eine Neuverteilung der Verantwortung innerhalb der EU und will verhindern, dass ein einzelnes Land Fortschritte blockiert. Ziel ist es, die Union agiler zu machen, besonders mit Blick auf eine mögliche Erweiterung um neue Mitglieder.

Wadephuls Vorstoß ist nicht der erste Versuch, die Arbeitsweise der EU zu reformieren. Frühere Bemühungen – wie der gescheiterte EU-Verfassungsvertrag oder die Folgen des Brexits – haben gezeigt, wie schwierig eine vertiefte Integration ist. Die Debatte über eine größere europäische Eigenständigkeit gewann während der Amtszeit von Donald Trump an Fahrt, als viele in Europa nach mehr strategischer Autonomie strebten.

Der Reformplan steht zudem im Kontext einer zunehmenden Aufrüstung in Europa, die unter anderem durch die angespannten Beziehungen zu Russland vorangetrieben wird. Kritiker warnen jedoch, dass die Änderungen den Einfluss kleinerer Mitgliedstaaten schwächen und das bestehende Machtgleichgewicht in der EU verändern könnten.

Sollte der Plan umgesetzt werden, würde die EU über mehr Instrumente verfügen, um in Krisen schneller zu handeln und den Prozess der Aufnahme neuer Mitglieder zu straffen. Die Reform könnte die Entscheidungsfindung in Brüssel grundlegend verändern. Ihr Erfolg hängt davon ab, ob die Mitgliedstaaten bereit sind, ein System zu akzeptieren, in dem abweichende Meinungen zugunsten schnellerer Beschlüsse zurückgestellt werden können.

Quelle