Anna Netrebko triumphiert in Berlin – doch Proteste überschatten die Opernpremiere
Ivanka BlümelAnna Netrebko triumphiert in Berlin – doch Proteste überschatten die Opernpremiere
Die Berliner Staatsoper Unter den Linden präsentiert eine mutige Neuinszenierung von Un ballo in maschera
Bei der Premiere am 29. März 2026 glänzte die Sopranistin Anna Netrebko in der anspruchsvollen Rolle der Amelia. Zwar erntete die Aufführung begeisterten Applaus, doch eine kleine, aber lautstarke Protestgruppe vor dem Opernhaus erinnerte an die anhaltenden politischen Kontroversen um den Star.
Die Inszenierung unter der Regie von Rafael R. Villalobos interpretiert Verdis Oper neu und verbindet sie mit Elementen der queeren Ballroom-Kultur sowie Anspielungen auf die AIDS-Krise. Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, kehrte nach Jahren der Abwesenheit an die Staatsoper zurück – ihr letzter Auftritt dort markierte noch eine andere Phase ihrer Karriere.
Vor dem Gebäude demonstrierten etwa 50 Protestierende mit ukrainischen Fahnen und skandierten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Kundgebung spiegelte die anhaltende Kritik an Netrebkos früheren Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin wider, darunter ihre Feier zum 50. Geburtstag im Moskauer Kreml. Im Inneren des Hauses hingegen belohnten die Zuschauer sowohl die Sänger als auch das Orchester mit stehenden Ovationen.
Intendantin Elisabeth Sobotka hatte zuvor betont, dass sich Netrebko öffentlich von Russland distanziert habe und seit Kriegsbeginn nicht dorthin zurückgekehrt sei. Trotz der Debatten wurde ihre Darstellung der Amelia – Teil des Festtage-2026-Programms – für ihre dramatische Intensität, den warmen Mittellagenklang und strahlende Höhen gelobt. Die Rolle, bekannt für ihre gesanglichen Herausforderungen, wurde zu einem Glanzstück ihres künstlerischen Könnens.
Die Premiere unterstrich Netrebkos ungebrochene Strahlkraft als Star, während die politischen Spannungen weiter nachwirken. Die Staatsoper-Inszenierung erhielt hochkarätiges Lob, doch der Protest vor der Tür erinnerte daran, wie ambivalent ihr Empfang inzwischen ausfällt. Das Opernhaus gab bisher keine Hinweise auf Änderungen ihrer geplanten Auftritte.






