Berlin sucht Interimsspielort für die Philharmonie – Streit um Tempelhof oder ICC
Nurten HarloffBerlin sucht Interimsspielort für die Philharmonie – Streit um Tempelhof oder ICC
Berlin diskutiert über einen vorübergehenden Spielort für die Philharmonie während der Sanierung 2032
Eine aktuelle Umfrage zeigt eine deutliche öffentliche Präferenz für Tempelhof – doch die Stadt setzt auf das ICC. Unterdessen sorgen weitere große Entwicklungen in der Klassikwelt für Gesprächsstoff.
Die Suche nach einem Interimsstandort für die Philharmonie spaltet die Meinungen. Eine Umfrage von BackstageClassical ergab, dass 66 Prozent der Befragten Tempelhof befürworten, während nur fünf Prozent das ICC unterstützen. Kollegen vom VAN Magazine hatten Tempelhof als Option vorgeschlagen, doch die Kosten könnten eine Milliarde Euro übersteigen. Die Berliner Behörden favorisieren jedoch das ICC – Philharmonie-Intendantin Andrea Zietzschmann zeigt sich allerdings skeptisch. Gerüchten zufolge könnte ihr Vertrag über 2028 hinaus nicht verlängert werden.
Andernorts zeichnen sich finanzielle und künstlerische Verschiebungen ab. Die Sanierungskosten für die Salzburger Festspiele sind von 519 auf 635 Millionen Euro gestiegen. Matthias Goerne sagte seine Auftritte in Israel ab, darunter Blaubarts Burg, und begründete dies mit Reiseproblemen. In München erntet Tobias Kratzers Ring-Zyklus hingegen breite Anerkennung.
Kontroversen bleiben ebenfalls ein Thema. John Eliot Gardiner sieht sich mit gemischten Reaktionen auf Vorwürfe im Rahmen des Leipziger Bachfestes konfrontiert. Steven Walter, Direktor des Beethovenfests, erklärte sein Festival zur „No-Dick-Pic-Zone“ und verhängte ein Hausverbot für Wiederholungstäter. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda stellte sich öffentlich hinter Michel Friedman in der Debatte um Friedman und Bayreuth.
Auch im Medienbereich gibt es Veränderungen. Der MDR stellt seinen klassischen DAB+-Sender ein und ersetzt ihn durch BR-Klassik – eine Entscheidung, die bisher kaum öffentliche Resonanz auslöste. MDR-Musikdirektorin Annette Josef wertete dies als strategischen Erfolg. Im BackstageClassical-Podcast forderte Oliver Wille mehr Ernsthaftigkeit in der Musikszene. Karin Bergmann, die Nachfolgerin von Markus Hinterhäuser, bot an, dessen Konzerte zu übernehmen – eine Antwort steht noch aus.
Die Klassikbranche steht vor Standortstreitigkeiten, finanziellen Anpassungen und öffentlichen Debatten. Die Entscheidungen zur Berliner Philharmonie, die steigenden Kosten in Salzburg und anhaltende Kontroversen spiegeln eine Phase des Umbruchs wider. Die Szene bleibt im Wandel – zwischen neuen Anforderungen und sich verändernden Meinungen.
