EVP in der Krise: Merz unter Druck wegen rechtsextremer Kontakte im EU-Parlament
Vadim BlochEVP in der Krise: Merz unter Druck wegen rechtsextremer Kontakte im EU-Parlament
In der Europäischen Volkspartei (EVP) sind die Spannungen eskaliert, nachdem Vorwürfe der Zusammenarbeit mit rechtsextremen Gruppen im Europäischen Parlament laut wurden. CDU-Chef Friedrich Merz, einst ein scharfer Kritiker des eigenen Parteiestablishments, gerät nun selbst unter Druck, weil er seine Haltung offenbar geändert hat. Der Streit kommt zu einer Zeit, in der Deutschlands politische "Brandmauer" gegen eine Kooperation mit Rechtspopulisten erste Risse zeigt.
Im Mittelpunkt des Konflikts steht eine umstrittene WhatsApp-Gruppe, an der EVP-Abgeordnete sowie Vertreter rechtsextremer Fraktionen beteiligt sein sollen – darunter AfD, Rassemblement National (RN), die Europäische Konservative und Reformer (EKR) sowie die Europäische Sozialkonservative Partei (ESN). Die Gruppe habe angeblich das Ziel verfolgt, die Migrationspolitik zu verschärfen, nachdem linke Parteien geplante Maßnahmen blockiert hatten.
Auslöser der Kontroverse war die mutmaßliche Absprache zwischen EVP-Mitgliedern und Rechtspopulisten, um strengere Migrationskontrollen durchzusetzen – etwa durch Rückführungszentren für abgelehnte Asylbewerber. Besonders Politiker der SPD reagierten empört und forderten Aufklärung. Sie warnten, eine solche Zusammenarbeit untergrabe grundlegende Rechte und den Rechtsstaat.
Merz, der sich zuvor mit EVP-Chef Manfred Weber überworfen hatte, verschärfte den Konflikt, indem er Weber öffentlich anging. Er forderte ein Ende von Webers Vorgehen und kündigte Konsequenzen an, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Dies steht in krassem Gegensatz zu Merz' früherem Image als CDU-Rebell – mittlerweile gibt er sich betont linientreu und würdigte kürzlich sogar Angela Merkel auf einem Parteitag.
Die Auseinandersetzung hat weitreichende Folgen. Bei den jüngsten Kommunalwahlen in Bayern und Hessen verzeichnete die AfD deutliche Zugewinne, was die Sorge schürt, dass immer mehr Kommunen ohne die bisherige Sperrklausel regiert werden könnten. Der schwedische Politiker Charlie Weimers von den Schwedendemokraten kritisierte Deutschlands Widerstand gegen eine Zusammenarbeit mit Rechtspopulisten und argumentierte, Europa könne sich solche Beschränkungen nicht mehr leisten.
Unterdessen drohte die SPD, eine mögliche Resolution des EU-Parlaments zur Migrationspolitik zu verzögern oder abzuschwächen, falls die EVP ihren aktuellen Kurs beibehalte. Kritiker werfen den Unionsparteien vor, unter dem Druck linker Kräfte eine mühsam errungene Einigung in der Migrationspolitik zu gefährden. Die Ablehnung schärferer Abschieberegeln wird bereits als Zeichen für die Erosion der "Brandmauer" gewertet.
Nun steht die EVP unter Zugzwang, ihre Position zur Zusammenarbeit mit Rechtsextremen zu klären. Bleibt der Konflikt ungelöst, könnte er die Verhandlungen über die europäische Migrationspolitik im Parlament zum Scheitern bringen. Angesichts der zunehmenden Annäherung zwischen CDU und CSU fügt Merz' wandelnde Rolle dem sich verändernden politischen Kräftefeld in Deutschland eine weitere Facette hinzu.






