19 March 2026, 20:32

Kratzers provokante Schumann-Inszenierung spaltet die Hamburger Staatsoper

Schwarz-weißer Stich "Aaron Staying the Plague" mit verstörten Menschen auf einem Feld unter einer untergehenden Sonne.

Kratzers provokante Schumann-Inszenierung spaltet die Hamburger Staatsoper

Die Hamburger Staatsoper hat mit einer provokanten Neuinszenierung von Robert Schumanns Das Paradies und die Peri unter der Regie von Tobias Kratzer für Furore gesorgt. Die Premiere am 27. September 2025 löste starke Reaktionen aus: Das Publikum reagierte mit Buhrufen und begeistertem Applaus auf die umstrittene Inszenierung. Blutgetränkte Kostüme, gebrochene vierte Wände und aktuelle politische Bezüge machten den Abend zu einem radikalen Bruch mit der Tradition.

Kratzers Interpretation des Oratoriums von 1843 zog drastische Parallelen zur Gegenwart. Die Produktion zeigte Zivilisten der heutigen Zeit, die in einen von einem weißen Anführer entfachten Krieg hineingezogen werden – ein Macht- und Unterdrückungskritik, die den Konflikt als Abrechnung mit Herrschaftsstrukturen deutete. Ein zentraler Moment zeigte den sterbenden Jüngling, eine Figur aus Schumanns Original, als schwarzen Mann, der sich gegen Autoritäten auflehnt – eine klare Verknüpfung mit Rassismus und Widerstand.

Die Inszenierung ging noch weiter, indem sie das Publikum direkt einband. So kletterte die Sopranistin Vera-Lotte Boecker in der Rolle der Peri über die Zuschauerreihen, setzte sich zu einem weinenden Mann in den Saal und spritzte dabei Blut auf ihr weißes Kleid – eine Spiegelung des gewaltsamen Höhepunktes des Oratoriums. Der dritte Akt thematisierte explizit die Klimakrise, auch wenn konkrete Bezüge zu aktuellen Ereignissen bewusst offen blieben.

Die Reaktionen fielen gespalten aus. Ein Zuschauer rief empört "Buh!" und verließ wütend den Saal, während andere Kratzers visionäre Regie später mit stehenden Ovationen feierten. Der Regisseur, der auch die Oper leitet, hat deutlich gemacht, dass er Grenzen überschreiten will. Geplant sind künftig mehr gemeindeorientierte Formate, die kuratierte Musiktheaterabende mit ambitionierten Neuproduktionen verbinden.

Die Premiere unterstrich Kratzers Bestreben, die Hamburger Staatsoper neu als akteur der städtischen Gesellschaft zu positionieren. Indem die Produktion Musik des 19. Jahrhunderts mit drängenden Gegenwartsthemen verknüpfte, forderte sie das Publikum heraus, sich mit Rassismus und ökologischem Kollaps auseinanderzusetzen. Die gespaltenen Reaktionen deuten darauf hin, dass der neue Kurs des Hauses noch lange nach dem Fall des Vorhangs für Diskussionen sorgen wird.

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